Die Diskussion um Direktbuchungen kreist oft nur um die eigene Website. Doch der Blick auf die Zahlen zeigt: Der Weg zum Gast führt über mehrere Kanäle. Wer den Mix aus Online und Offline beherrscht, sichert sich nicht nur höhere Margen, sondern auch loyalere Gäste.

Der stille Wandel: Gäste buchen längst hybrid

Wer glaubt, die Entscheidung zwischen Hotelwebsite und Buchungsportal sei eine Glaubensfrage, unterschätzt die Realität. Die Gäste von heute suchen nicht mehr nur auf einem Kanal, sie wechseln fließend zwischen Suchmaschinen, Bewertungsportalen, Reisebüros und der eigenen Hotelwebsite hin und her. Der Changing Traveller Report 2026 von SiteMinder, die weltweit größte Verbrauchererhebung zu Unterkünften mit 12.000 Befragten aus 14 Ländern, zeigt ein bemerkenswertes Phänomen: 18 % der Gäste, die ihre Suche auf einer Online-Reiseagentur (OTA) beginnen, buchen letztendlich direkt beim Hotel - ein Anstieg von 3,3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr [4].

Das bedeutet: Die OTA ist nicht zwangsläufig der Endpunkt einer Buchung, sondern oft nur der Ausgangspunkt einer Recherche. Gäste nutzen die Portale, um Preise zu vergleichen, Bewertungen zu lesen und einen ersten Eindruck zu gewinnen. Anschließend wechseln sie auf die eigene Website des Hotels, um dort zu buchen. Dieses Verhalten ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines gestiegenen Bedürfnisses nach Kontrolle und Flexibilität. Reisende wünschen sich zunehmend die Kontrolle, Flexibilität und den persönlichen Service, den nur eine direkte Beziehung mit einem Hotel bieten kann [4].

Für Hoteliers bedeutet das: Die Frage lautet nicht mehr, ob man auf OTAs verzichten kann. Die Frage lautet, wie man die Präsenz auf den Portalen nutzt, um Gäste anschließend auf den eigenen Kanal zu ziehen. Wer diese Dynamik versteht, kann die hohen Provisionen der Portale umgehen, ohne auf deren Reichweite verzichten zu müssen. Die Kunst liegt darin, die OTA als Marketinginstrument zu begreifen und nicht als Vertriebsweg.

Die Marge als Entscheidungskriterium: Was wirklich zählt

Die zentrale Kennzahl im Hotelmarketing 2026 ist die Direktbuchungs-Quote, also der Anteil der Buchungen über die eigene Website am Gesamtumsatz. Hotels mit Direktbuchungs-Quoten von 35 bis 60 Prozent erwirtschaften deutlich höhere Margen als Hotels mit Quoten unter 20 Prozent [5]. Diese Zahl zeigt: Es geht nicht um die reine Anzahl der Buchungen, sondern um die Qualität des Umsatzes. Eine Direktbuchung spart nicht nur die Provision, sie schafft auch eine direkte Beziehung zum Gast, die sich bei der nächsten Reise auszahlt.

Gäste, die direkt beim Hotel buchen, kehren deutlich häufiger zurück als OTA-Kunden. Das geht aus einer Analyse des Hotelsoftware-Anbieters Bookboost hervor, der 2,2 Millionen Gäste europäischer Hotelgruppen zwischen 2024 und 2026 untersucht hat [8]. Die Wiederkehrrate ist also nicht nur ein Indikator für Zufriedenheit, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor. Ein Stammgast, der direkt bucht, verursacht keine Akquisitionskosten und ist weniger preissensibel als ein Neukunde, der über ein Portal kommt.

Doch die Marge ist nicht das einzige Kriterium. Wer ausschließlich auf Direktbuchungen setzt, verzichtet auf die Reichweite der Portale. In manchen Märkten ist die OTA-Präsenz schlicht überlebenswichtig. Laut dem aktuellen Cloudbeds-Bericht „State of Independent Hotels 2026” ist das kein Einzelfall: Im EMEA-Raum liegt der OTA-Anteil unabhängiger Hotels inzwischen bei 76,5 Prozent - dem höchsten Wert weltweit [9]. Wer also ein unabhängiges Hotel betreibt, muss sich der Realität stellen: Die Portale dominieren den Markt, und ein vollständiger Verzicht wäre wirtschaftlich fahrlässig.

Vergleich der Vertriebsansätze: Vier Wege zum Gast

Option 1: Die OTA als Akquise-Kanal nutzen

Viele Hotels betrachten Buchungsportale als notwendiges Übel. Doch wer die Portale strategisch einsetzt, kann sie als kostengünstiges Marketinginstrument nutzen. Die Idee: Die OTA sorgt für Sichtbarkeit, der Gast wechselt aber für die Buchung auf die eigene Website. Dieses Modell funktioniert besonders gut in Städten mit hohem Wettbewerbsdruck, wo die Sichtbarkeit auf den Portalen über die Auslastung entscheidet.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Portale verfügen über eine enorme Reichweite, die sich ein einzelnes Hotel nie leisten könnte. Zudem sind die Buchungsportale bei Gästen etabliert und genießen ein hohes Vertrauen. Der Nachteil: Die Provisionen fressen einen erheblichen Teil der Marge auf. Zudem hat das Hotel keinen direkten Zugang zu den Gästedaten, was die persönliche Ansprache erschwert.

Für wen ist dieser Ansatz geeignet? Für Hotels in stark frequentierten Lagen, die auf Auslastung angewiesen sind und deren Marke noch nicht stark genug ist, um allein über die eigene Website zu buchen. Ein Stadthotel in einer Metropole mit hohem Touristenaufkommen kann es sich kaum leisten, auf die Portale zu verzichten. Die Kunst liegt darin, die OTA-Buchungen als Einstieg zu nutzen und die Gäste während des Aufenthalts von den Vorteilen einer direkten Buchung zu überzeugen.

Ein Beispiel: Ein inhabergeführtes Stadthotel nutzt die Portale, um in der Nebensaison die Auslastung zu sichern. Gleichzeitig bietet es Gästen, die direkt buchen, ein kostenloses Upgrade oder einen Gutschein für das hauseigene Restaurant. So entsteht ein Kreislauf: Die OTA bringt den Erstkontakt, die direkte Buchung sorgt für die Wiederkehr.

Option 2: Die eigene Website als Dreh- und Angelpunkt

Der zweite Ansatz stellt die eigene Website in den Mittelpunkt. Hier investiert das Hotel in eine benutzerfreundliche Buchungsstrecke, ansprechende Inhalte und eine klare Kommunikation der Vorteile einer Direktbuchung. Das Ziel: Die Website soll so überzeugend sein, dass Gäste gar nicht erst auf die Idee kommen, über ein Portal zu buchen.

Der Vorteil: Die Marge bleibt vollständig im Haus. Zudem sammelt das Hotel wertvolle Gästedaten, die für personalisierte Angebote und eine gezielte Ansprache genutzt werden können. Der Nachteil: Die Reichweite der eigenen Website ist begrenzt. Ohne gezieltes Marketing und eine gute Suchmaschinenoptimierung bleibt die Website oft unsichtbar.

Dieser Ansatz eignet sich für Hotels mit einer starken Marke und einer treuen Stammgästebasis. Ein Landhotel mit einer hohen Wiederkehrrate kann es sich leisten, auf die Portale zu verzichten, weil die Gäste ohnehin direkt buchen. Entscheidend ist, dass die Website nicht nur funktional ist, sondern auch die Persönlichkeit des Hauses widerspiegelt. Gäste buchen dort, wo sie sich wohlfühlen - und das Gefühl entsteht nicht auf einer austauschbaren Portal-Seite, sondern auf einer Website, die Charakter zeigt.

Ein Beispiel: Ein Familienhotel in den Alpen setzt vollständig auf die eigene Website. Die Gäste schätzen die persönliche Beratung bei der Buchung und die Möglichkeit, Sonderwünsche direkt zu kommunizieren. Die Website ist so gestaltet, dass sie die Atmosphäre des Hauses vermittelt - mit Bildern, Geschichten und einem Blog, der regelmäßig über das Leben im Hotel berichtet. Die Direktbuchungs-Quote liegt hier deutlich über dem Durchschnitt, weil die Gäste eine emotionale Bindung zum Haus haben.

Option 3: Der hybride Ansatz: Beide Welten verbinden

Der dritte Ansatz verbindet die Stärken beider Welten. Das Hotel ist auf den Portalen präsent, nutzt diese Präsenz aber gezielt, um Gäste auf die eigene Website zu ziehen. Die Portale werden als Marketinginstrument betrachtet, nicht als Vertriebsweg. Entscheidend ist, dass das Hotel auf den Portalen dieselben Preise anbietet wie auf der eigenen Website, um eine Bestpreisgarantie zu kommunizieren.

Der Vorteil: Das Hotel profitiert von der Reichweite der Portale und kann gleichzeitig die Marge durch Direktbuchungen steigern. Der Nachteil: Dieser Ansatz erfordert eine konsequente Umsetzung und eine klare Strategie. Wer auf den Portalen andere Preise anbietet als auf der eigenen Website, verliert das Vertrauen der Gäste.

Dieser Ansatz eignet sich für die meisten Hotels, unabhängig von Größe und Lage. Entscheidend ist, dass das Hotel die verschiedenen Kanäle nicht als Konkurrenz betrachtet, sondern als sich ergänzende Bausteine. In den USA buchen mittlerweile 40 % der Reisenden direkt - gegenüber 36 % - und liegen damit deutlich über dem globalen Durchschnitt von 28 % [4]. Diese Entwicklung zeigt: Der hybride Ansatz ist kein Widerspruch, sondern die logische Konsequenz aus dem veränderten Buchungsverhalten.

Ein Beispiel: Ein Boutique-Hotel in einer europäischen Hauptstadt ist auf den großen Portalen vertreten, bietet aber auf der eigenen Website zusätzliche Leistungen wie einen Flughafentransfer oder ein Willkommensgetränk. Die Gäste, die über die Portale auf das Hotel aufmerksam werden, wechseln für die Buchung auf die eigene Website, weil sie dort die Zusatzleistungen buchen können. So profitiert das Hotel von der Reichweite der Portale und sichert sich gleichzeitig die Marge.

Option 4: Der persönliche Draht: Telefon und E-Mail

Der vierte Ansatz wird oft übersehen, ist aber nicht weniger wichtig: die Buchung per Telefon oder E-Mail. Gerade bei älteren Gästen und bei komplexen Anfragen ist der persönliche Kontakt entscheidend. Eine Hoteldirektbuchung ist eine Reservierung, die ein Gast direkt bei Ihrer Unterkunft vornimmt - über die Hotel-Website, per Telefon, per E-Mail oder persönlich an der Rezeption - und nicht über ein Drittanbieter-Buchungsportal [4].

Der Vorteil: Der persönliche Kontakt schafft Vertrauen und ermöglicht es dem Hotel, auf individuelle Wünsche einzugehen. Zudem entfallen bei einer telefonischen Buchung jegliche Provisionskosten. Der Nachteil: Telefonische Anfragen sind zeitintensiv und erfordern geschultes Personal. Zudem ist die telefonische Buchung nicht für alle Gästegruppen attraktiv.

Dieser Ansatz eignet sich für Hotels mit einer persönlichen Servicekultur, die Wert auf individuelle Beratung legen. Ein Wellnesshotel, das auf die Bedürfnisse seiner Gäste eingeht, kann von telefonischen Buchungen profitieren, weil die Gäste die Möglichkeit schätzen, ihre Wünsche direkt zu kommunizieren. Entscheidend ist, dass die telefonische Erreichbarkeit gewährleistet ist und die Mitarbeiter geschult sind, um Anfragen kompetent zu beantworten.

Ein Beispiel: Ein Landhotel mit einem kleinen Team bietet seinen Gästen an, telefonisch zu buchen und dabei individuelle Wünsche zu äußern. Die Mitarbeiter kennen die Zimmer und können gezielt beraten. Diese persönliche Note unterscheidet das Hotel von den großen Ketten und sorgt für eine hohe Zufriedenheit.

Worauf es bei der Wahl ankommt: Die richtige Mischung finden

Die Wahl des richtigen Vertriebsansatzes hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst ist die Lage des Hotels entscheidend. Ein Stadthotel mit hohem Wettbewerbsdruck ist stärker auf die Portale angewiesen als ein Landhotel mit einer treuen Stammgästebasis. Auch die Zielgruppe spielt eine Rolle: Junge Reisende buchen eher online, während ältere Gäste den persönlichen Kontakt schätzen.

Ein weiterer Faktor ist die Markenbekanntheit. Hotels mit einer starken Marke können es sich leisten, weniger auf die Portale zu setzen, weil die Gäste ohnehin direkt buchen. Unabhängige Hotels hingegen sind stärker auf die Reichweite der Portale angewiesen. Laut dem aktuellen Cloudbeds-Bericht „State of Independent Hotels 2026” ist das kein Einzelfall: Im EMEA-Raum liegt der OTA-Anteil unabhängiger Hotels inzwischen bei 76,5 Prozent - dem höchsten Wert weltweit [9].

Entscheidend ist, dass das Hotel seine Vertriebsstrategie nicht als statisches Konstrukt betrachtet, sondern regelmäßig überprüft und anpasst. Die Buchungsgewohnheiten der Gäste ändern sich, und wer darauf nicht reagiert, verliert Marktanteile. Ein Hotel, das heute noch stark auf die Portale setzt, kann in einigen Jahren von einer starken Direktbuchungs-Quote profitieren.

Häufige Fehler: Warum viele Strategien scheitern

Ein häufiger Fehler ist die Preisdiskriminierung. Hotels, die auf der eigenen Website günstigere Preise anbieten als auf den Portalen, riskieren Konflikte mit den Portalen und verlieren das Vertrauen der Gäste. Die Bestpreisgarantie ist ein wichtiges Instrument, um Gäste zu überzeugen, direkt zu buchen. Wer diese Garantie nicht einhält, schadet seiner Glaubwürdigkeit.

Ein weiterer Fehler ist die Vernachlässigung der eigenen Website. Viele Hotels investieren viel Geld in die Präsenz auf den Portalen, vernachlässigen aber ihre eigene Website. Eine veraltete Website mit einer umständlichen Buchungsstrecke schreckt Gäste ab und treibt sie zurück zu den Portalen. Die eigene Website ist die beste Verkäuferin, wenn sie richtig gestaltet ist.

Schließlich unterschätzen viele Hotels die Bedeutung der Gästedaten. Wer über die Portale bucht, erhält keine direkten Kontaktdaten der Gäste. Ohne diese Daten ist eine gezielte Ansprache und eine langfristige Bindung kaum möglich. Hotels, die ihre Gästedaten nicht aktiv sammeln und nutzen, verschenken ein enormes Potenzial.

Empfehlung je Ausgangslage: Drei Szenarien

Für ein Hotel mit hoher Auslastung und schwacher Marke empfiehlt sich der hybride Ansatz. Die Portale sichern die Auslastung, während die eigene Website schrittweise ausgebaut wird. Entscheidend ist, dass das Hotel die Gästedaten aus den Direktbuchungen nutzt, um eine persönliche Beziehung aufzubauen.

Für ein Hotel mit starker Marke und treuer Stammgästebasis empfiehlt sich der Fokus auf die eigene Website. Hier kann das Hotel die Marge maximieren und die Gäste durch persönliche Angebote binden. Die Portale werden nur noch als Ergänzung genutzt, um in neuen Märkten präsent zu sein.

Für ein Hotel in einer stark frequentierten Lage mit hohem Wettbewerbsdruck empfiehlt sich die Kombination aus OTA-Präsenz und persönlichem Draht. Die Portale sorgen für Sichtbarkeit, während die telefonische Buchung und die persönliche Beratung die Gäste überzeugen, direkt zu buchen.

Letztlich gibt es keine allgemeingültige Lösung. Die richtige Strategie hängt von den individuellen Gegebenheiten des Hotels ab. Wer die verschiedenen Ansätze kennt und flexibel kombiniert, kann die Marge steigern und gleichzeitig die Gäste langfristig binden. Die Zukunft gehört den Hotels, die den Mix aus Online und Offline beherrschen und ihren Gästen ein nahtloses Buchungserlebnis bieten.